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Was, wenn es bei Grid Elements nie wirklich um Grids ging?

Fünfzehn Jahre nach der ersten Veröffentlichung wird Grid Elements oft als Layout- oder Container-Extension für TYPO3 beschrieben. Das ist nachvollziehbar. Schließlich stehen die Grids schon im Namen. Für eine eigentlich viel größere Idee ist diese Beschreibung allerdings ziemlich klein.

Grid Elements ist nicht einfach nur eine Möglichkeit, Inhalte in Rastern anzuordnen. Die eigentliche Idee dahinter ist größer. Struktur wird zu einem sichtbaren und bewussten Bestandteil der redaktionellen Arbeit, verständlich für Redakteure, wiederverwendbar in unterschiedlichen Kontexten und relevant über die reine Darstellung hinaus.

Geschätzte Lesezeit: 6 Minuten

Die Wurzeln von Grid Elements

reichen weiter zurück als bis 2011

Grid Elements führt die Idee der TYPO3-Backend-Layouts von der Seitenebene bis in einzelne Content-Elemente weiter. Redakteure arbeiten dort mit derselben visuellen Sprache aus Zeilen, Spalten und sinnvoll definierten Inhaltsbereichen.

Die Geschichte von Grid Elements begann nicht mit der Extension im Jahr 2011. Sie begann zwei Jahre früher mit der Frage, wie sich Struktur in TYPO3 für Redakteure sichtbar und nutzbar machen lässt. Was zunächst auf Seitenebene entstand, wurde später auf Content-Elemente übertragen und entwickelte sich schließlich zu einem umfassenden Ansatz für strukturiertes Authoring.

Team 1 T3UXW 2009, Foto: Tim Lochmüller

Damit wird 2026 zu einem besonderen Jubiläumsjahr. Grid Elements wird 15 Jahre alt, die Idee dahinter bereits 17. Was mit Backend-Layouts auf Seitenebene begann, blieb nicht darauf beschränkt. Derselbe strukturelle Ansatz setzte sich in einzelnen Content-Elementen fort und bildet bis heute die Grundlage für das, was Grid Elements ermöglicht.

Struktur sichtbar machen

Die Idee begann vor der Extension

Auf der TYPO3 User eXperience Week 2009 ging es unter anderem um die Frage, wie Redakteure besser mit TYPO3 arbeiten können. Eines der Teams beschäftigte sich dabei mit einem Problem, das eigentlich ziemlich banal klingt: Im Backend sollte man auf einen Blick erkennen können, wie eine Seite aufgebaut ist.

Daraus entstanden unter anderem der Grid-View, der Grid-Wizard und später die Backend-Layouts.

Rows und Columns machten die Struktur der Seite sichtbar, colPos verband diese Bereiche mit den Stellen, an denen die Inhalte landeten. Für Redakteure war damit viel besser nachvollziehbar, wie das, was sie im Backend sahen, mit der eigentlichen Seite zusammenhing.

Nach der User eXperience Week wurde die Idee zunächst in einem frühen Prototyp namens Modern BE gezeigt. Teile davon landeten später in TYPO3 4.5. Mit den Backend-Layouts kam das Konzept schließlich in den TYPO3-Core und prägte eine Arbeitsweise, die TYPO3-Redakteure bis heute kennen. Aber Seiten waren von Anfang an nur ein Teil der Idee.

Mehr als nur Seiten

Dieselbe Idee geht im Content weiter

Eine Seite kann aus Zeilen, Spalten und klar definierten Inhaltsbereichen bestehen. Als dieses Modell einmal da war, lag der nächste Schritt eigentlich auf der Hand. Struktur gibt es nicht nur auf Seiten, sondern auch innerhalb des Contents.

Genau dort setzte die Arbeit an, aus der später Grid Elements entstand. Der Gedanke aus den Backend-Layouts wurde von der Seitenebene auf einzelne Content-Elemente übertragen. Dabei gab es nicht nur eine konzeptionelle Verbindung, auch personell führte der Weg direkt weiter.

Jo Hasenau, der bereits am ursprünglichen Grid-View-Konzept mitgearbeitet und es in den TYPO3-Core gebracht hatte, leitete die Entwicklung von Grid Elements. Die Idee hinter Grid Elements entstand also nicht Jahre später als neue Interpretation eines bestehenden Features. Sie entwickelte sich direkt aus der Arbeit von 2009 weiter. Die Frage war im Grunde dieselbe: Wie lässt sich Struktur auch innerhalb des Contents sichtbar und nutzbar machen?

2011 bot sich dann eine ganz konkrete Gelegenheit, genau das umzusetzen.

Eine Idee trifft auf redaktionelle Realität

Mehrere hundert Redakteure zeigen, wie wichtig Struktur ist

Bei T-Systems ging es mit WINS, dem TYPO3-basierten Wissens- und Informationssystem der Deutschen Telekom, längst nicht mehr um eine kleine Website. Mehrere hundert Redakteure arbeiteten mit komplexen Inhalten und Abläufen, teilweise gleichzeitig an denselben Seiten. Die Struktur musste dabei auch für große Teams verständlich und beherrschbar bleiben.

Gleichzeitig sollte TemplaVoila abgelöst werden, weil es für diese Anforderungen nicht mehr die passende Lösung war. Dahinter steckte vor allem eine redaktionelle Frage: Wie schafft man eine Struktur, die Redakteure zuerst aufbauen und verstehen können, bevor sie sie mit Inhalten füllen? Das Ganze musste für große Teams und echte Produktionsabläufe funktionieren. Und die Grundidee dafür war bereits da.

Aus dieser Kombination entstand Grid Elements.

Das Semantic Web wird den aussagekräftigen Inhalten von Websites Struktur verleihen.

Tim Berners-Lee, James Hendler und Ora Lassila, The Semantic Web, 2001

Dieselbe strukturelle Sprache

wandert in den Content

Dieselbe strukturelle Sprache, die bereits Seiten beschrieb, konnte nun auch innerhalb des Contents eingesetzt werden. Ein Content-Element konnte eigene Rows und Columns definieren, die wiederum Child-Content aufnehmen konnten.

Strukturen ließen sich kombinieren und verschachteln, wenn das redaktionelle Konzept es verlangte. Was auf Seitenebene begonnen hatte, wurde damit zu einem Authoring-Modell für Content.

Im September 2011 wurde Grid Elements erstmals im TYPO3 Extension Repository veröffentlicht. Schon damals ging es um weit mehr als nur eine weitere Art von Content-Element. Grid Elements griff eine strukturelle Idee auf, die mit TYPO3 selbst begonnen hatte, und führte sie über die Grenze zwischen Seiten und Content hinaus weiter.

Structure-first Authoring

Das Gerüst bauen, bevor die erste Zeile entsteht

Sobald Struktur auch innerhalb des Contents verfügbar ist, können Redakteure anders arbeiten. Sie können zuerst das funktionale Gerüst einer Seite aufbauen. Bereiche für die Inhalte sind dabei schon sichtbar, Container geben sinnvolle Abschnitte vor.

Auch komplexere Strukturen lassen sich vorbereiten, bevor jeder Fließtext, jedes Bild und jedes Detail fertig ist. Noch bevor die erste Überschrift geschrieben wird, kann das Grundgerüst der Seite bereits zur Verfügung stehen.

Genau das meinen wir mit Structure-first Authoring.

Structure-first Authoring bedeutet, zuerst einen sinnvollen strukturellen Rahmen zu schaffen. Die Inhalte, die später hineinkommen, haben damit bereits einen Platz, einen Zusammenhang und einen Kontext. Drag-and-drop macht die Arbeit mit solchen Strukturen natürlich komfortabel. Der eigentliche Mehrwert steckt aber in der Struktur selbst. Sie wird Teil des redaktionellen Modells und kann Beziehungen zwischen Inhalten abbilden, die in einer einfachen, flachen Abfolge unsichtbar bleiben.

Das eigentliche Killer-Feature ist deshalb der Drag-In-Wizard. Power-User können damit Strukturen innerhalb Sekunden aufbauen.

Ein Grid kann zeigen, wohin etwas gehört. Ein weitergehendes Strukturmodell kann zusätzlich zeigen, wie Inhalte zusammengehören. Das wird umso wichtiger, je weniger Websites nur noch aus einzelnen Seiten für eine einzige Darstellung bestehen. Inhalte wandern zwischen Kanälen, Komponenten und Kontexten. Sie müssen verständlich bleiben, auch wenn sich ihre Darstellung verändert. Struktur kann dabei selbst Information transportieren.

Für Menschen gebaut

bereit für Maschinen

Siebzehn Jahre später wird klare Struktur immer wichtiger. Backend-Layouts sind nach TYPO3 4.5 nicht verschwunden, sondern haben sich mit TYPO3 weiterentwickelt und gehören auch in Version 14 noch zum System.

Rows und Columns gibt es weiterhin, colPos verbindet nach wie vor Seitenstruktur und Content. Backend-Layouts lassen sich als Teil eines TYPO3-Projekts konfigurieren und verwalten, auf Wunsch auch dateibasiert und gemeinsam mit dem restlichen Projekt versioniert. Das Prinzip ist geblieben. Die Welt drumherum hat sich allerdings grundlegend verändert.

2009 ging es zunächst darum, Seitenstrukturen für Redakteure sichtbar und verständlich zu machen. Heute wandert Content zwischen immer mehr Kanälen, Komponenten und Kontexten. Dabei muss er genug Struktur und Information mitbringen, damit nicht nur Menschen, sondern auch Systeme erkennen können, was zusammengehört und warum.

Genau deshalb ist die Idee hinter Grid Elements heute aktueller denn je. Moderner Content braucht Struktur, Kontext und Bedeutung. Grid Elements kann neben der eigentlichen Struktur zusätzliche Informationen über Kontext und Zweck mitführen. Was sich damit anfangen lässt, werden wir im weiteren Verlauf dieser Serie noch genauer betrachten.

2009 wollten wir Struktur für Redakteure sichtbar und nutzbar machen. 2011 führte Grid Elements diesen Gedanken von Seiten in den Content weiter. Fünfzehn Jahre später sind klare Struktur, Kontext und Bedeutung wichtiger denn je.

Ihre Zeit ist gekommen.

Struktur war erst der Anfang

Danach ergeben sich die nächsten Fragen fast von selbst

Was passiert, wenn sich derselbe Content unterschiedlich verhalten soll, je nachdem, wo er erscheint?

Muss wirklich jede Variante zu einem weiteren Content-Type werden?

Genau diese Frage führt zum nächsten Teil unserer Serie und zu einer weiteren Idee, die Grid Elements von Anfang an geprägt hat:

Kontext statt Content-Type-Explosion.

Grid Elements wird am 6. September 2026 15 Jahre alt. Die Idee dahinter gibt es allerdings schon seit 17 Jahren. Ihren Anfang nahm sie auf der TYPO3 User eXperience Week 2009 mit dem Grid-View und den Backend-Layouts, die Seitenstrukturen für Redakteure sichtbar und nutzbar machten. 2011 führte Grid Elements dieselbe strukturelle Sprache von Seiten bis in einzelne Content-Elemente weiter. Daraus entstand weit mehr als eine Möglichkeit, Grids aufzubauen oder Content zu verschachteln. Grid Elements machte Struktur zu einem festen Bestandteil des redaktionellen Modells und schuf damit die Grundlage für Structure-first-Authoring: Erst entsteht ein sinnvoller struktureller Rahmen, dann wird er mit Inhalten gefüllt. Das Grundprinzip der Backend-Layouts gehört bis heute zu TYPO3. Gleichzeitig wandert Content heute zwischen Kanälen, Komponenten und unterschiedlichen Einsatzbereichen und muss dabei klare Struktur, Kontext und Bedeutung mitbringen, unabhängig von seiner jeweiligen Darstellung. Genau deshalb ist die ursprüngliche Idee hinter Grid Elements heute aktueller denn je.

Petra Hasenau