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Vor- und Nachteile gemeinnütziger Vereine im Bereich der Open-Source-Entwicklung

Die Unterstützung eines Open-Source-Projekts in Form eines gemeinnützigen Vereins kann durchaus eine gute Idee sein. Aber funktioniert das in allen finanziellen Belangen oder gibt es für bestimmte Aufgaben vielleicht bessere Lösungen?

Geschätzte Lesezeit: 7 Minuten

Treffen sich drei Deutsche

gründen sie einen Verein

Wie wir bereits letzte Woche im Artikel Free as in "free speech" festgestellt haben, besteht eine Möglichkeit zur Finanzierung eines Open-Source-Projekts in der Gründung eines gemeinnützigen Vereins, der sich um die finanziellen und rechtlichen Belange des Projekts kümmert. Für das TYPO3-Projekt wurde das bereits vor mehr als einem Jahrzehnt Realität, als im Jahr 2004 die TYPO3-Association gegründet wurde.

Ein Verein mit Mitgliedern und Beiträgen mag zwar durchaus eine gute Idee sein, wenn es um rechtliche Fragen, strategische Planung und offizielle Repräsentanten für das Projekt geht, er ist aber als Finanzierungsmittel für die Entwicklung von Erweiterungen zumindest fragwürdig.

Vereine gehen mit einer Menge Bürokratie einher und verlängern die Wege für kurzfristige Entscheidungen. Sie führen vor allem dann zu unnötigem Zwist, wenn es darum geht, Budgets zwischen verschiedenen Bewerbern aufzuteilen, da oftmals nicht genügend Geld vorhanden ist, um alle zufriedenzustellen.

Publikum mit Sprecher vor großer Leinwand

Daniel Hinderink hielt auf der TYPO3-Konferenz im vergangenen Jahr mit „Lessons Learned“ einen Vortrag über die gesammelten Erfahrungen bei der Gründung der Association und zeigte auf, welche Fallstricke sich durch ihre interne Struktur und deren Umsetzung ergaben. Trotzdem erscheint die TYPO3-Association als eine durchaus vernünftige Möglichkeit Erweiterungen zu finanzieren, daher soll sie Gegenstand unseres heutigen Artikels sein.

Unternehmen, die bereit sind zu teilen und sich zurückzuhalten, um das Wachstum des Unternehmens zu fördern, bereit, durch das Bekenntnis zu demokratischen Grundsätzen, Fairneß und Zusammenarbeit eine bessere Atmosphäre und damit ein besseres Produkt zu schaffen, werden letztlich gewinnen.

E. O. Wilson

Es war einmal

Die Geschichte der TYPO3-Association

Bei ihrer Gründung im Jahr 2004 bestand die ursprüngliche Aufgabe der TYPO3-Association in der finanziellen Absicherung von Kasper als Erfinder und Kopf der Entwicklung des Projekts. Da die Software den Nutzern kostenlos zur Verfügung gestellt wurde, konnte zu diesem Zweck ein gemeinnütziger Verein gegründet werden, um das nötige Geld über Mitgliedsbeiträge und Spenden zu sammeln.

Nach Kaspers Rücktritt als Chef des TYPO3-Core-Teams im Jahr 2007 wurden die Einnahmen zwischen zwei Teams aufgeteilt; dem ursprünglichen Core-Team unter Leitung von Michael Stucki, sowie einem Team unter Leitung von Robert Lemke, das sich mit der kompletten Neuentwicklung des TYPO3-Kerns unter dem damaligen Arbeitstitel "Version 5" beschäftigen sollte.

Dabei wurden entscheidende Positionen bei der Vergabe der Budgets teilweise in Personalunion mit den Empfängern der zugewiesenen Gelder besetzt. Zudem wurden nur wenige Entwickler konkret für ihre Arbeit bezahlt, während die anderen lediglich ihre Spesen zurückerstattet bekamen.

König Kaspers Rücktritt
Video: König Kaspers Rücktritt

In dieser Phase fand kaum eine Kontrolle der dabei erzielten Ergebnisse im "Version 5"-Team statt, weswegen sich die Entwicklung über Jahre hinzog und schließlich im NEOS-Projekt mündete. Dies führte mittelfristig zu Unmut bei den Mitgliedern und in der Folge zu einer Überarbeitung der Strukturen innerhalb der Association und zur Einführung des Expert Advisory Boards EAB, sowie des Business Control Committees BCC.

Letzten Endes führte das mangelnde Vertrauen der Geldgeber in das neue Produkt zum konkreten Bruch zwischen der TYPO3-Association und dem NEOS-Team, das seitdem eigene Wege geht, um sich zu finanzieren. Dadurch wurden deutlich mehr Mittel für das TYPO3-Core-Team und andere Projekte frei und deren Entwicklung beschleunigt.

Dies ist einer der Gründe, warum mit Association-Budgets bezahlte Arbeitszeit weiterhin nicht gern gesehen wird.

Enabling people to share

Ein Inkubator für Extensions

Einer der Hauptverdienste der TYPO3-Association liegt in der Umsetzung des TYPO3-Mottos "Inspiring people to share". Sie hat im Laufe der Jahre zur Anschubfinanzierung verschiedenster Projekte beigetragen, indem sie sämtliche Spesen für Meetings, Code-Sprints und andere Einsätze übernommen hat.

Wenn Sie von Menschen umgeben sind, die eine Leidenschaft für ein gemeinsames Ziel teilen, ist alles möglich.

Howard Schultz

Diese Übernahme von Hotel-, Reise- und Verpflegungskosten ermöglichte es vielen Interessierten erst, überhaupt an der Entwicklung von Extensions teilzuhaben, da sie neben ihrer unbezahlten Arbeit nicht auch noch diese Kosten tragen mußten. Teilweise wurden sie von den Teilnehmern dennoch nicht abgerechnet sondern gespendet.

Weil sich dadurch viele Entwickler an der Umsetzung beteiligten, konnte die Association so dazu beitragen, daß Extensions wie z.B. Gridelements oder Fluid Powered TYPO3 sich etablierten und heute ohne Association-Budgets auskommen können. Allerdings ist die Beantragung und Vergabe dieser Budgets ein langwieriger bürokratischer Prozeß. 

Die Saat geht auf

Es müssen Anträge gestellt, Budgetpläne geschrieben, Umfragen gestartet und ausgewertet, sowie offizielle Vergaben vorgenommen und Ausgaben hinsichtlich der Gemeinnützigkeit überprüft und verbucht werden. Zudem findet die Vergabe nur einmal pro Jahr statt und die dabei bereitgestellten Beträge sind weit davon entfernt, ein Jahreseinkommen für Entwickler sein zu können.

Das Gießkannenprinzip

Vom Umgang mit der Unterfinanzierung

Das Problem, das die TYPO3-Association in ihrer heutigen Form lösen muß, liegt vor allem im geringen Spenden- und Beitragsaufkommen. Während mit dem System TYPO3 durch seinen Einsatz vor allem im Enterprise-Bereich ein geschätzter Gesamtumsatz im dreistelligen Millionenbereich erzeugt wird, landet leider nur ein Bruchteil dieses Umsatzes im Budget-Topf der Association.

So werden jedes Jahr weitaus mehr Budgets beantragt als die Association mit den vorhandenen Beträgen finanzieren könnte. Dadurch gestaltet sich auch die Verteilung des Geldes mehr als schwierig, weil es naturgemäß immer Betroffene geben wird, deren Belange nicht berücksichtigt werden können.

Für die Mitglieder des Expert-Advisory-Boards ergibt sich dadurch jedes Jahr erneut die Situation, daß Gelder, die man eigentlich gern genehmigt hätte, an anderer Stelle dringender benötigt werden. Deswegen wurde in den letzten Jahren einiges der Budgets für Extensions über das Gesamtbudget des TYPO3-Core-Teams bereitgestellt.

So wird einerseits sichergestellt, daß die Entwicklung von Extensions in Zusammenarbeit mit dem Core stattfindet. Andererseits werden dadurch aber oft Fragen bezüglich des Mitglieder-Votings und des Vergabeprozesses aufgeworfen, weil sich Antragsteller oder Wähler bestimmter Extensions nicht ausreichend berücksichtigt fühlen.

Blumen gießen mit einer Gießkanne.

Ein weiteres Problem, das sich daraus ergibt, sind die vergleichsweise geringen Stundensätze, die im Rahmen von Association-Budgets maximal bezahlt werden. In vielen Fällen wird diese bezahlte Arbeitszeit ohnehin nicht genehmigt. Es gestaltet sich daher in der aktuellen Situation eher schwierig bis unmöglich, mit Hilfe eines solchen Budgets seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, obwohl das die ursprüngliche Aufgabe der Association war.

TL;DR - Fazit

Eignet sich ein Verein als Finanzierungs-Option für TYPO3-Erweiterungen?

Die TYPO3-Association als gemeinnütziger Verein finanziert eine ganze Reihe von Aktivitäten im TYPO3-Umfeld. Sie dient unter anderem als Inkubator für Extension-Projekte, die sich damit einen größeren Bekanntheitsgrad erarbeiten können.

Weil in der Regel nicht für alle Budget-Anträge ausreichend Geld zur Verfügung steht, werden die Einnahmen nach dem Gießkannenprinzip verteilt. Meist werden dabei die Spesen übernommen, während für die eigentliche Arbeit nur selten geringe Stundensätze bezahlt werden.

Association-Budgets sind daher wenig geeignet, um mit der Entwicklung von Extensions im TYPO3-Umfeld einen Lebensunterhalt zu bestreiten.

Jo Hasenau