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Wie falsche Angaben über TYPO3 Grid Elements KI-Antworten prägten, wie wir ihren Ursprung gefunden und die Dinge korrigiert haben

Ein paar falsche Behauptungen schickten uns auf eine Spur, die wir so nie erwartet hätten. Wir haben dabei mehr gefunden als ein einzelnes Stück Software. Falsche Informationen können durch Wiederholung an Gewicht gewinnen, KI-Antworten prägen und erstaunlich hartnäckig werden. Also haben wir uns angesehen, was man tatsächlich dagegen tun kann.

Geschätzte Lesezeit: 10 Min.

Die Geschichte, die wir nie erzählt haben

Die ersten Warnsignale kamen aus Gesprächen

Zum ersten Mal fiel es uns in Gesprächen mit Menschen auf, die wir bereits kannten. Petra telefoniert regelmäßig mit Nutzern und Kontakten rund um unser Priority-Access-Programm, darunter Menschen, die Grid Elements früher unterstützt hatten, Interesse daran gezeigt hatten oder an Projekten beteiligt waren, die wir persönlich kannten. Ähnliche Gespräche ergaben sich auf TYPO3-Camps und anderen Veranstaltungen. Nach einer Weile tauchte dabei immer wieder dieselbe Reaktion auf. Die Leute waren überrascht, dass es Grid Elements überhaupt noch gab. Einige glaubten, das Projekt sei schon vor Jahren aufgegeben worden, andere gingen davon aus, dass die Entwicklung eingestellt oder Grid Elements praktisch ersetzt worden sei.

Für alle außerhalb der TYPO3-Welt kurz zur Einordnung. Grid Elements ist eine Erweiterung für TYPO3 CMS, mit der Redakteure nach dem Konzept des Structure-first Authoring Inhaltsbereiche anlegen und Inhalte in definierten Bereichen platzieren können. Die Erweiterung gibt es schon lange, und Entwicklung sowie Kompatibilitätsarbeit liefen über all die Jahre weiter, ebenso wie neue Releases und gelegentliche öffentliche Updates.

Als dieselbe Annahme in voneinander unabhängigen Gesprächen immer wieder auftauchte, sah das irgendwann nicht mehr nach Zufall aus. Wir wussten, dass wir das Projekt nie für tot erklärt oder eingestellt hatten. Irgendwo anders hatte sich dieser Eindruck festgesetzt, und wir wollten wissen, warum.

Die Maschine wusste es schon

Unterschiedliche Fragen führten immer wieder zur selben Antwort

Zu Beginn unserer Suche probierten wir verschiedene Wege aus. Wir fragten, was Google über Grid Elements wusste, suchten nach TYPO3-Erweiterungen für mehrspaltige oder strukturierte Inhalte und verglichen Grid Elements gelegentlich direkt mit Container, einer anderen TYPO3-Erweiterung, die einfach Inhalte in spaltenbasierten Strukturen gruppiert.

Die Formulierungen wechselten, aber Googles KI erzählte immer wieder dieselbe Geschichte, selbst in frisch geöffneten Inkognito-Sitzungen. Grid Elements sei früher einmal eine gute Lösung gewesen, werde inzwischen nicht mehr aktiv entwickelt oder stehe für aktuelle TYPO3-Versionen nicht mehr zur Verfügung und sei faktisch von Container abgelöst worden. Container wurde dabei als modernerer und „Core-nativer“ Ansatz dargestellt. Je nach Antwort kamen weitere Behauptungen dazu, wie einfachere Wartung, reibungslosere Upgrades, bessere Performance oder eine schlankere Architektur.

Interessant war vor allem, wie hartnäckig das System an diesem Deutungsrahmen festhielt. Manchmal nannte es überhaupt keine Quellen. Manchmal verwies es auf Material, das die Behauptung gar nicht stützte, und manchmal ließ sich die angegebene Quelle in der beschriebenen Form nicht finden. Erst nach wiederholtem Nachhaken und nachdem wir die Belege selbst geprüft hatten, änderte sich die Antwort gelegentlich und die KI räumte ein, dass die ursprüngliche Schlussfolgerung falsch gewesen war.

Ähnliche Fragen stellten wir Claude, Grok und ChatGPT. Auch dort waren die Antworten nicht durchgängig korrekt. Allerdings hielten diese Systeme deutlich weniger hartnäckig an derselben Erzählung fest und versuchten seltener, sie mit fragwürdigen Belegen zu stützen, sobald wir sie aufforderten zu erklären, wie sie überhaupt zu ihren Schlussfolgerungen gekommen waren.

Dann haben wir uns die Software angesehen

Behauptungen und Code erzählten unterschiedliche Geschichten

Grid Elements wird aktiv gepflegt und unterstützt aktuelle TYPO3-Versionen. Container deckt einen Teil desselben Problemfelds ab, setzt aber bewusst nur einen kleineren Ausschnitt des Funktionsumfangs von Grid Elements um und verwendet ein deutlich anderes Datenmodell. Keine der beiden Erweiterungen ist von sich aus „Core-nativer“ als die andere. Beide erweitern TYPO3 dort, wo der Core selbst die benötigte Funktionalität nicht bereitstellt.

Grid Elements führt die strukturellen Konzepte hinter den TYPO3-Backend-Layouts fort, deren Wurzeln bis 2009 zurückreichen​​​​​​​, während die Erweiterung selbst 2011 entstand. Container entschied sich für andere Lösungsansätze bei Eltern-Kind-Beziehungen und der Spaltenbehandlung. Diese Entscheidungen sind legitim, erfordern aber zusätzliche Kompatibilitätsarbeit in Bereichen wie Übersetzungen und TYPO3s Spaltenmechanik, die Grid Elements über etablierte Core-Mechanismen abbilden kann. Für pauschale Behauptungen, Container sei grundsätzlich schneller, schlanker, leichter zu warten oder bei Upgrades weniger aufwendig, fanden wir keine Belege. ​​​​​​​

Eine Behauptung stimmte allerdings. Der Zugriff auf das aktuellste Release von Grid Elements ist an ein kostenpflichtiges Priority-Access-Programm gebunden, während die Vorgängerversionen kostenlos im TER und über Packagist bereitgestellt werden. Googles KI machte daraus immer wieder etwas anderes und behauptete, Grid Elements sei deshalb nicht mehr Open Source. Das ist schlicht ein Kategorienfehler. Open Source bedeutet nicht Freeware, und Geld für Zugriff oder Distribution zu verlangen, macht Open-Source-Software nicht automatisch proprietär.

An diesem Punkt ging es nicht mehr nur um eine KI, die eine Frage schlecht beantwortet hatte. Das eigentliche Problem war, dass diese Falschinformationen realen wirtschaftlichen Schaden verursachen konnten, weil sie direkt beeinflussten, wie ein Projekt und die Menschen dahinter bewertet werden.

Die Fährte war kürzer als erwartet

Die KI fand immer wieder Quellen, nach denen wir selbst nie gesucht hätten

Das auffälligste Beispiel war die offizielle TYPO3-Dokumentation „Getting Started“. In einem Abschnitt darüber, was zu tun ist, wenn eine Erweiterung für die aktuelle TYPO3-Version nicht mehr verfügbar ist, stand, Grid Elements „was replaced by the container extension, both having equal functionalities“. Diese Formulierung erschien erstmals 2022 in der TYPO3-12-Dokumentation und wurde anschließend in die Versionen für TYPO3 13, TYPO3 14 und den aktuellen Entwicklungszweig übernommen. Wer gerade anhand der offiziellen Dokumentation lernte, wie man TYPO3 aktualisiert, hatte kaum einen Grund, diese Aussage infrage zu stellen.

Ein großer Hosting-Anbieter veröffentlichte ein reichweitenstarkes Tutorial zu Grid Elements, das in anderer Form eine ähnliche Botschaft vermittelte. Dort wurde der Eindruck erweckt, die Unterstützung ende faktisch mit älteren TYPO3-Versionen und neuere TYPO3-Releases brächten bereits native Alternativen mit. Auch das war genau die Art von Seite, auf die jemand stoßen kann, der herausfinden will, ob die Erweiterung noch eine sinnvolle Wahl ist.

Eine dritte Quelle verbreitete denselben Deutungsrahmen an mehreren Stellen rund um eigene Produkte und Dokumentation. Grid Elements wurde als veraltet oder abgelöst dargestellt, während aus dem kostenpflichtigen Priority Access die Behauptung wurde, die Erweiterung sei nicht mehr Open Source. Gerade dieser Schritt war aufschlussreich, weil er eine reale Tatsache, den kostenpflichtigen Zugang zu aktuellen Releases, nahm und aus ihr eine Schlussfolgerung ableitete, die sich daraus schlicht nicht ergibt.

Jenseits dieser prominenten Beispiele wurde die Spur deutlich unspektakulärer. Migrationsseiten, Projektberichte, Vergleiche und kleine technische Anmerkungen, die viele Menschen bei einer normalen Recherche vermutlich ignoriert hätten, lieferten trotzdem Bruchstücke, die geeignet waren, dieselbe Erzählung zu stützen. Einige davon entstanden später als die offizielle Dokumentation. Das beweist nicht, dass eine Quelle von einer anderen abgeschrieben hat. Es zeigt aber, dass derselbe Deutungsrahmen bereits in einer besonders autoritativen Quelle vorhanden war, bevor mehrere der anderen Texte erschienen.

Genau darin lag die Ironie. Wir wären nie auf die Idee gekommen, einen Getting-Started-Guide oder ein Hosting-Tutorial zu lesen, das uns Software erklärt, an der wir seit Jahren arbeiten. Einige dieser Seiten konnten Menschen schon für sich genommen in die Irre führen. Andere wären vermutlich Hintergrundrauschen geblieben. Die KI-Systeme fanden beides und machten daraus Teile derselben Geschichte.

Zurück zur Quelle

Wie wir angefangen haben, die Dinge richtigzustellen

Als wir einigermaßen klar erkennen konnten, woher die Behauptungen kamen, lag die nächste Frage auf der Hand.

Was macht man mit diesem Wissen?

Eine unserer ersten Handlungen war deshalb, unsere eigene Primärquelle eindeutiger zu machen. Wir ergänzten die relevanten Erklärungen und Vergleiche direkt in der Dokumentation zu Grid Elements, darunter auch Punkte, die aus unserer Sicht eigentlich nie ausdrücklich hätten erklärt werden müssen. Die Dokumentation war bereits die autoritativste Quelle dafür, wie Grid Elements funktioniert. Neu ist, dass die strittigen Behauptungen dort nun klare, direkt zitierbare Antworten haben und Suchmaschinen, KI-Systeme sowie alle, die die Fakten überprüfen wollen, damit etwas bekommen, das sich deutlich schwerer missverstehen lässt.

Danach gingen wir die anderen Quellen eine nach der anderen an.

Am einfachsten war die offizielle TYPO3-Dokumentation. Sie wird offen gepflegt, deshalb gibt es eine konkrete Stelle, an der sich die Aussage hinterfragen und korrigieren lässt. Wir bereiteten einen Pull-Request vor, erklärten, warum die Behauptung, Grid Elements sei durch Container ersetzt worden, sachlich falsch war, und lieferten den technischen Hintergrund, der die Änderung belegte. Es gab etwas Diskussion darüber, wie die Korrektur aussehen sollte und wie weit sie in ältere Dokumentationsversionen zurückgeführt werden kann. Der entscheidende Punkt war jedoch unkompliziert. Die falsche Aussage wurde entfernt.

Diese Erfahrung war beinahe beruhigend. Eine offen gepflegte Quelle bietet etwas Greifbares, an dem man ansetzen kann. Man kann auf einen konkreten Satz zeigen, Belege liefern, eine bessere Formulierung vorschlagen und die gesamte Diskussion dort führen, wo auch die Information selbst gepflegt wird. Wikipedia funktioniert nach einem ähnlichen Prinzip. Wenn eine Behauptung nachweislich falsch ist und belastbare Belege vorhanden sind, gibt es zumindest einen definierten Mechanismus, um sie zu korrigieren.

Bei den anderen Quellen war das weniger vorhersehbar, weil es dort keinen Pull-Request-Button gibt. Wir kontaktierten die Publisher direkt, manchmal über Personen, die wir bereits kannten, manchmal mit einer sachlichen Nachricht, in der wir erklärten, wo die problematische Aussage steht und warum sie falsch ist. Die Reaktionen fielen sehr unterschiedlich aus. Ein Publisher ging mehrere Seiten durch und korrigierte die betreffenden Aussagen. Ein anderer entfernte einen Artikel vollständig. In einem weiteren Fall wurde eine pauschale Aussage, die im Lauf der Zeit irreführend geworden war, auf den historischen Zeitraum eingegrenzt, in dem sie tatsächlich sinnvoll gewesen wäre. Manche Gespräche dauerten länger, und in einigen Fällen musste zunächst überhaupt die Person gefunden werden, die die Seite ändern kann.

Natürlich gibt es auch rechtliche Wege. Je nach Rechtsordnung und konkretem Fall lassen sich falsche Tatsachenbehauptungen unter Umständen mit Korrektur- oder Löschungsansprüchen, Gegendarstellungen oder anderen Rechtsmitteln angreifen. Wir haben damit bewusst nicht angefangen. In allen Fällen, die wir bis dato gefunden haben, reichten direkter Kontakt, Belege und eine faire Gelegenheit zur Korrektur aus. Das macht die rechtlichen Möglichkeiten nicht irrelevant. Es bedeutet nur, dass wir sie bisher nicht brauchten.

Auf dem Radar

Wir beobachten jetzt, was wir früher nie auf dem Schirm hatten

Parallel dazu haben wir etwas aufgebaut, das wir vorher nie wirklich gebraucht hatten. Mehrere automatisierte und KI-gestützte Prüfungen suchen inzwischen regelmäßig nach neuen oder veränderten Aussagen über Grid Elements, sammeln die relevanten Passagen und markieren Behauptungen, die im Widerspruch zu Informationen zu stehen scheinen, die wir anhand von Primärquellen überprüfen können.

Im Nachhinein klingt das fast peinlich offensichtlich. Es mangelte uns weder an korrekten Informationen über Grid Elements, noch hatten wir die falschen Behauptungen selbst verursacht. Was wir schlicht nicht getan hatten, war regelmäßig danach zu suchen, was andere über das Projekt sagen.

Und warum auch? Wer jahrelang an einer Software entwickelt hat, verbringt seine Abende normalerweise nicht damit, nach Einsteiger-Tutorials zu suchen, die einem die eigene Software noch einmal erklären. Eine Maschine kann genau das tun, ohne nach dem dritten halbwegs ähnlichen Migrationsartikel die Lust zu verlieren.

Sie kann dabei allerdings auch falsch liegen. Eine unserer Prüfungen meldete zum Beispiel angebliche Probleme mit Responsive Design und Barrierefreiheit. Das klang relevant genug, um genauer hinzusehen. Als wir die Quelle öffneten, stellte sich allerdings heraus, dass dort ganz allgemein von „grid elements“ im Webdesign die Rede war und überhaupt nicht von der TYPO3-Erweiterung Grid Elements. Gleiche Begriffe, völlig anderes Thema.

Genau deshalb finden diese Systeme lediglich Kandidaten zur Prüfung. Sie entscheiden nicht, was wahr ist, sie kontaktieren niemanden automatisch und sie veröffentlichen schon gar keine Anschuldigungen. Sie helfen uns, mögliche Probleme früher zu bemerken. Die eigentliche Bewertung muss danach stattfinden, mit geöffneter Quelle, sichtbarem Kontext und einem Menschen, der prüft, ob es überhaupt etwas zu korrigieren gibt.

Beobachtet die Antwort

Gute Sichtbarkeit in Suchmaschinen reicht nicht mehr

Eine unbequeme Erkenntnis bleibt aus der ganzen Geschichte. Gute Dokumentation, starke Suchmaschinen-Rankings, saubere SEO und selbst Inhalte, die mit Blick auf KI-Auffindbarkeit geschrieben wurden, garantieren nicht, dass Menschen tatsächlich die Informationen erhalten, die man veröffentlicht hat. Man kann auf Platz eins stehen und trotzdem eine KI-generierte Zusammenfassung über dem eigenen Treffer haben, die eine völlig andere Geschichte erzählt.

Daher endet die Arbeit nicht mehr damit, korrekte Informationen zu veröffentlichen und Traffic-Statistiken zu beobachten. Ihr müsst auch im Blick behalten, was Suchmaschinen, KI-Systeme und Drittseiten über euch sagen. Taucht etwas Fragwürdiges auf, solltet ihr die Belege sichern. Notiert, wann ihr es zum ersten Mal gesehen habt, bewahrt die relevante Formulierung samt Kontext auf, haltet fest, was ihr unternommen habt, und dokumentiert gesetzte Fristen oder eingegangene Antworten. Genau dafür gibt es unser Radar.

Und dann beginnt bei der Quelle, nicht beim Anwalt. Wenn es eine Person gibt, mit der man sprechen kann, dann sprecht mit ihr. Benennt die konkrete Aussage, liefert überprüfbare Gegenbelege und macht die Korrektur so einfach wie möglich. Unsere bisherige Erfahrung zeigt, dass sich damit mehr Probleme lösen lassen, als wenn man direkt mit juristischer Sprache einsteigt.

Das bedeutet nicht, dass der Rechtsweg irrelevant wäre. Im Mai 2026 untersagte das Landgericht München 1 Google per einstweiliger Verfügung, bestimmte falsche Behauptungen über zwei Verlage in seinen AI Overviews zu wiederholen. Dabei behandelte das Gericht die generierten Zusammenfassungen als Aussagen, die Google selbst zuzurechnen sind. Die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig, zeigt aber, dass selbst eine KI-generierte Antwort ganz oben auf einer Suchergebnisseite nicht zwangsläufig außerhalb jeder rechtlichen Reichweite liegt.

Rechtliche Schritte kosten allerdings Zeit, Geld und Aufmerksamkeit. Wenn sich eine Korrektur mit einer E-Mail, einem Pull-Request oder einem Telefonat erreichen lässt, ist das normalerweise der bessere erste Schritt. Beobachten, dokumentieren, korrigieren und nur so weit eskalieren wie nötig. Und dann weiter beobachten. Eine Korrektur kann später wieder geändert, zurückgedreht oder stillschweigend ersetzt werden, besonders in kollaborativ gepflegten Systemen. Nur weil man die Fakten einmal richtiggestellt hat, heißt das nicht, dass sie für immer so stehen bleiben.

Die Faktenlage kann sich ändern

Die Korrekturen verändern bereits die Antworten

Und es gibt einen ermutigenden Teil dieser Geschichte. Wir können bereits sehen, dass sich das Bild verändert. ChatGPT liefert inzwischen bei den Arten von Fragen, die uns ursprünglich auf diese Spur gebracht hatten, deutlich präzisere Antworten über Grid Elements. Google ist noch nicht im selben Maß dort angekommen, obwohl wir inzwischen auch dort erste Veränderungen sehen.

Wir können nicht beweisen, welche einzelne Korrektur welche konkrete Veränderung in einer KI-Antwort ausgelöst hat, und vermutlich wäre das ohnehin die falsche Betrachtungsweise. Beobachten können wir aber, dass sich das Informationsumfeld verändert hat. Die Primärdokumentation behandelt die strittigen Behauptungen inzwischen ausdrücklich, mehrere irreführende Quellen wurden korrigiert, neu eingeordnet oder entfernt, und die Antworten, die aus diesem Umfeld entstehen, beginnen sich ebenfalls zu verändern.

Falsche Informationen können erstaunlich hartnäckig werden, sobald genügend Systeme anfangen, sie zu wiederholen. Offenbar können sich aber auch Korrekturen weiterverbreiten. Zuerst muss allerdings jemand bemerken, dass etwas nicht stimmt.

Dennoch stellt sich am Ende eine Frage: Wenn bereits eine Handvoll größtenteils unbeabsichtigter Behauptungen das Bild so stark verzerren kann, was passiert dann, wenn jemand genau das absichtlich, systematisch und in großem Maßstab durchzieht und so lange "flood the zone with shit" betreibt, bis die falsche Version keine Ausnahme mehr ist, sondern zum dominierenden Kontext wird, den KI-Systeme am ehesten finden und wiederholen?

Eine Handvoll ungenauer oder irreführender Quellen reichte aus, um erstaunlich hartnäckige KI-Antworten über unsere TYPO3-Extension Grid Elements zu prägen, selbst wenn korrekte Informationen in den Suchergebnissen weit oben standen. Wir verfolgten die Behauptungen zurück, stärkten unsere eigene Primärdokumentation, kontaktierten Publisher und sorgten dafür, dass mehrere problematische Quellen korrigiert, neu eingeordnet oder entfernt wurden. Die praktische Erkenntnis geht weit über Grid Elements hinaus. Korrekte Informationen zu veröffentlichen reicht nicht mehr. Beobachtet, was andere und KI-Systeme über euch sagen, sichert die Belege, korrigiert nach Möglichkeit die Quelle und eskaliert nur so weit wie nötig. Und dann beobachtet weiter. Denn die gute Nachricht ist: Falsche Informationen mögen sich verbreiten, aber diese falsche Faktenlage ist nicht in Stein gemeißelt.

Jo Hasenau